Hans Kinder (1900-1986)

Hans Kinder wird 1900 in Dresden in  eine Periode des Aufbruchs und der Innovation in Kunst und Wissenschaft hineingeboren. Er erlebt die Brüche in Kunst und Gesellschaft als Folge einer umfassenden Modernisierung und Industrialisierung Europas. Ein wichtiger Markstein in seinem künstlerischen Leben war ohne Zweifel seine Zeit am Bauhaus im Weimar der 20-er Jahre. Die Idee einer Verbindung aus Kunst und Wissenschaft, welche am Bauhaus zu dieser Zeit propagiert wurde, begleitet seine Arbeit ein Leben lang. Seine Liebe zu dekorativem Gestalten, die Bauhauseinflüsse und die für ihn unvergessliche Begegnung mit Picasso hinterließen Spuren in seinem Schaffen. Zunächst sind es architekturbezogene Aufträge und Wandbilder, die Kinder ausführt. Seit den 50-er Jahren lebte er vornehmlich in Ahrenshoop und widmete sich verstärkt der Malerei. Meisterwerke an Farbigkeit, an exzellent gebauten Flächen, entstehen. Mehr und mehr verlässt er die gegenständliche Kunst und wird zum „Brandredner für jede Form von nonfigurativer Kunst“ (Jo Jastram).

Charakteristisch für das Gesamtwerk Kinders ist die Beschäftigung mit der Bewegung und der Simultanität. Objektive Bewegung und subjektive Betrachtungsweise vermischen sich dabei, „die simultane Darstellung mehrerer sich überlagernder Objekte soll dem Betrachter eine objektivierte, allseitige Sicht ermöglichen“, sei es figurativ oder abstrakt (Gabriele Muschter, 2000). Der Betrachter soll sehen und denken,  Kinder will Bewegungsabläufe  optisch wahrnehmbar machen.

1900  in Dresden geboren
1916 - 1917  Studium an der Kunstgewerbeschule Dresden
1917 - 1920  Soldat, verwundet, Lazarettaufenthalt
1924 - 1925  Hospitant am Bauhaus in Weimar
1925 - 1932  Studium an der Akademie der Künste Dresden
ab 1926    Meisterschüler bei Max Feldbauer
1928 / 1931 Großer Sächsischer Staatspreis als Student
1932 Mitglied der kurze Zeit später aufgelösten „Dresdner Sezession 1932 bis 1939  freischaffend, vor allem als Wandmaler tätig
1932 – 1945 Soldat
ab 1945  wieder freischaffend in Dresden, u.a. architekturgebundene  Arbeiten mit Innengestaltung der Leipziger Oper und der Komischen Oper Berlin
seit 1957  regelmäßige Sommeraufenthalte in Ahrenshoop
1986 in Dresden gestorben